Inflation oder Deflation?

by Markus Trauernicht on 20/09/2011

  • Laut Statuten der Europäischen Zentralbank sollte die Geldmenge jährlich um 4% gesteigert werden.
  • Die Haushalte der einzelnen EU-Länder dürfen 3% neue Schulden machen.

Das wäre so “mehr oder weniger ausgeglichen” gewesen. Aber sicherlich nicht optimal. Es wäre ein kleine Chance für den Euro gewesen.

(Durch den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB wird diese Ausgeglichenheit zerstört. Genau so durch die horrenden Staatsschulden.)

Ein Wachstum der Geldmenge von 4% pro Jahr bedeutet im Klartext, dass das Geld (mit Verzögerung) pro Jahr um 4% an Kaufkraft verliert, wenn keine wirtschaftliche Leistung dahinter steht.

Zum Beispiel:

Inflation 2009:

  • Wachstum der Geldmenge M3 in der EU: 3,08%
  • Realwachstum des Bruttoinlandproduktes: – 4,03%

Früher hat man zur Berechnung der Inflation jedes Jahr die Menge der kaufbaren Güter in Relation zur Geldmenge gestellt. Dabei wurde also das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes mit dem Wachstum der Geldmenge M3 verglichen.

Damit ergibt sich eine echte Inflation in der EU in 2009 von 7,11%.

  • (Offizielle Inflation in der Eurozone für 2009: 0,3%)

Wenn dann die Länder noch jedes Jahr 3% mehr Schulden (3% des Bruttoinlandproduktes) machen können, dann ist das ein weiterer inflationärer Faktor. Schon das Grundkonzept war mit der EZB war somit extrem fehlerbehaftet. Dazu kommen dann die Bürgschaften, die nicht in dieser Inflationsformel zu sehen sind. Und schon lange nicht im offiziellen Warenkorb der Bundesregierung zur Messung der Inflation.

Bei gleicher Rechnung ergibt sich für 2010 eine Inflation von  MINUS 1,175%. Also eine Deflation von 1,175%.

  • 2010 Geldwachstum: 0,525%
  • 2010 BIP Wachstum: 1,7%
  • (Offizielle Inflation in der Eurozone für 2010: 2,3%)

Kein Wunder haben die “Spitzenökonomen” keinen Plan
darüber ob wir jetzt eine Inflation oder Deflation haben. 

  • Alles eine Frage der Messung. Haftungen, Rettungspakete, Bürgschaften gehören mit in die Rechnung, sind aber nicht enthalten. Dazu kommt, dass im Euro gute Euros und schlechte Euros enthalten sind = Gift für die Werthaltigkeit der Währung (auch in keiner Inflationsformel enthalten). Deswegen wird die Masse der “Spitzenökonomen” von einer stärkeren Inflation total überrascht sein.

2011 sieht dagegen schon wieder sehr inflationär aus. Sogar gefährlich inflationär.

Und dann kommt natürlich dazu, dass man die Wirtschaft von z.B. Griechenland und Deutschland nicht vergleichen kann. Diese zwei Länder können nicht unter dem gleichen Zinssatz existieren und nachhaltig wachsen. Einer muss überhitzen, der andere muss in die Knie gehen. Aber das war auch schon vor der Einführung des Euro klar. Auch das macht die Währung kaputt und ist in der Substanz inflationär (auch in keiner Inflationsformel enthalten).

Markus Trauernicht

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