Finanz- & Euro Infos von Markus Trauernicht

Papiergeld & elektronisches Geld: Ist die Wirtschaftsunion ohne Euro kaputt?

Der Grund warum Deutschland schon zu Deutsche-Mark-Zeiten wirtschaftlich so stark war, ist folgender: Man musste lernen, NICHT auf dem Niveau des billigsten Preises zu konkurrieren.

Während der Deutsche-Mark-Zeit konnten Länder wie Italien, Griechenland, Spanien und Portugal sich einen Wettbewerbsvorteil verschafften, indem die eigene Währung entwertet wurde. Hätte Deutschland einfach so stark mit entwertet, dann hätten diese Länder die eigene Währung halt noch mehr  entwertet.

Es blieb gar nichts anderes übrig, als einfach besser zu sein. Zu lernenbesser zu verkaufen, auch wenn die anderen billiger sind. Vor allem zu lernen hochpreisige Produkte zu verkaufen. Dieser Engpass hat die deutsche Wirtschaft stark gemacht.

  • Jetzt haben Länder wie Italien, Griechenland, Spanien und Portugal das Problem, dass die nicht wie in DM-Zeiten die eigene Währung entwerten können, um sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Deutschland zu verschaffen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Jeder versteht (außer die Politiker und unglaubliche viele sogenannte Wirtschaftsexperten), dass der Euro nur funktioniert, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Alle mit der notwendigen Sorgfalt ans Werk gehen.

Jetzt leckt der Eimer aus verschiedenen Löchern. Und es ist auch klar, dass es auf Dauer nicht gut gehen kann. Wie lange diese Dauer ist weiß keiner so recht. Wie auch immer die Zukunft aussieht –  sollte Deutschland wieder eine eigene Währung bekommen, oder die Währung mit stärkeren EU-Partnern teilen, dann wird für die schwächeren Länder die Basis geschaffen die eigene Währung zu entwerten.

Genauso wie das früher war.
Und wie China das jetzt macht.

Zudem würde die die Finanzwelt sich auf die Deutsche Markt stürzen, weil der japanische Yen, das englische Pfund, der amerikanische Dollar und der Euro gewaltige systemische Probleme haben. Die neue Deutsche Mark, bzw. eine gemeinsame Währung mit starken Euroländern würde sehr stark werden, und der Export für Deutschland besonders schwierig. Weil Produkte ja teuer sein würden.

Aber bitte nicht vergessen:

Immerhin war das eine Grundlage dafür, warum Deutschland als Industrienation so stark wurde: Man musste schon im DM-Zeiten verkaufen können, obwohl die Produkte aufgrund der eigenen starken Währung teuer waren. Und andere Länder wettbewerbsfähig waren, weil diese die eigene Währung ständig abgewertet haben. Es würde sich mit einer etwas anderen Färbung einfach die Geschichte wiederholen.

Was Politiker und die Finanzwelt machen, können Sie nicht beeinflussen. Das sind externe Faktoren. Werden Sie einfach immer noch ein bisschen besser in der Vermarktung. Tun Sie einfach was dazu notwendig ist. Lernen Sie besser zu unterscheiden was im Geschäft und Marketing sinnvoll ist und was nicht.

Und noch etwas.

Wenn es hart auf hart kommt

Heute könnten Länder im Alleingang innerhalb 10 Tagen eine neue hochwertige Währung schaffen, wenn es hart auf hart kommt. Wenn z.B. noch mehrere EU-Länder Hilfe brauchen, die gewaltigen Mengen an zinsabhängigen Derivaten kollabieren, (ein zigfaches der kreditabhängigen Derivate die Lehman Brothers zerfetzten), eine der großen US-Banken Insolvenz anmeldet etc.

Immerhin haben wir digitale Zahlungssysteme,
die es vor dem Euro so noch nicht gab.

Und sobald es beschlossen wäre, neue Währungen zu schaffen, würde es dann noch ein halbes Jahr bis 2 Jahre dauern, bis ein vernünftiges Maß an Papiergeld wieder da wäre. Man kann ja heute schon mit dem Mobiltelefon zahlen. Selbst Zahlungssysteme im Internet würden sich mit minimalem Aufwand anpassen lassen. Kommt in der Software halt eine Währung oder mehrere Währungen dazu.

Irgendwie geht es immer weiter.

Lassen Sie sich nicht verrückt machen!Mit Inflationsbildern wie in Zimbabwe oder wie zur Deutschen Inflation brauchen wir deswegen nicht zu rechnen – wir haben heute die Möglicheit eine funktionierende Währung erst mal als elektronisches Geld zu schaffen.

So schlimm wäre das alles gar nicht. 
Ungemütlich schon, aber es wird immer heißer gekocht als gegessen.

Selbst die Papiergeldkritiker müssen mal kapieren, dass Papiergeld etwas wert sein kann, weil wir Menschen sehr gut in der Lage sind den Wert von Papiergeld einzuschätzen. An einen volatilen Goldpreis gekoppelt zu sein, würde jegliche Art von Geschäftsplanungen nahezu unmöglich machen.

Jetzt sagen viele Politiker, dass der Euro für Deutschland so gut ist, und dass Deutschland so sehr davon profitiert. Die Welt staunt über die Wirtschaft in Deutschland, dabei ist die Begründung so einfach: Natürlich hat Deutschland einen heute gewaltigen Vorteil mit dem Euro gegenüber Ländern, die sich damals ständig einen Wettbewerbsvorteil geschaffen hatten, indem Lire, Drachme usw. abgewertet wurden. Und jetzt dieser „Vorteil“ fehlt, wo nicht abgewertet werden kann, weil alle den Euro haben. Zudem ist der Einzelne in Deutschland nicht so verschuldet. Leider bezahlt der Einzelne hier damit, dass ein voller Einkaufwagen beim Discounter jetzt in Euro gleich viel und mehr kostet als zu DM-Zeiten. Oder sind die Einkaufswagen plötzlich doppelt so groß??? Keine Ahnung, könnte sein…

Die Wirtschaftsunion ist ja nicht gleich vorbei, weil es verschiedene Währungen gibt. Es müsste nur eine saubere Gesetzgebung über Gebühren bei Wechselkursen geben, die auf ein Minimum reduziert werden. Natürlich wird es Gewinner und Verlierer geben.

Sorgen Sie einfach dafür, dass Sie etwas besser als die Konkurrenz in Ihrem Markt ist. Das war schon immer sinnvoll.

Es bringt gar nichts sich verrückt zu machen. Arbeiten und verbessern Sie das was Sie beeinflussen können.

Lassen wir doch einfach die Kirche im Dorf…

Und was lernen wir draus?

1. Klären Sie vor einer geschäftlichen Partnerschaft wie man sich trennt wenn es nicht klappt.

2. Bei einer Neuregelung wäre es toll, wenn Notenbanken weltweit die Möglichkeit genommen werden würde, die Zinssätze zu regeln und zu manipulieren. Immerhin ist das die Stellschraube an der so ziemlich alles hängt. Zum Beispiel die Subprime Krise, faule Finanz-Derivate, hohe private Verschuldungen usw. Man hätte dann marktgerechte Zinsen, und keine künstlichen Zinsniveaus. Natürlich klappt das nur, wenn weltweit alle Notenbanken die eigenen Zinsen nicht manipulieren können. Ok, das ist Wunschdenken. Zudem würden andere Probleme entstehen. Und externe Faktoren sind nun mal nicht wirklich beeinflussbar. Was aber ginge: Man müsste die Notenbank nach Aufgaben aussplitten. Genau so wie Judikative, Exekutive und Judikative in einer Demokratie getrennt sind.

Markus Trauernicht

P.S.: Den Artikel hatte ich im Dezember 2010 geschrieben – auf dem anderen Blog.

 

 

 

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