Teil 2: Kann man eine Währung retten?

Stellen Sie sich vor, man würde jetzt eine Technologie entwickeln, mit der man Gold ganz billig und in großen Massen künstlich herstellen kann. Zu einem Bruchteil dessen was es kostet das Gold aus dem Boden zu holen.

Von heute auf morgen wäre dann Gold als Mittel zur Werterhaltung praktisch unbrauchbar. Der Wert des Goldes würde ins Bodenlose fallen. Denn das Vertrauen darin, dass Gold ein sicherer Hafen ist, wäre von heute auf Morgen zerstört.

Genau das ist es ja, warum so eine Flucht ins Gold stattfindet: Gold gilt allgemein als sicher, weil es als beständig, unverfälschlich und nicht manipulierbar gilt. Und das macht es für so viele Anleger als Mittel zur Werterhaltung interessant. Im Kern geht es um Vertrauen und Misstrauen. Könnte man jetzt ganz einfach Gold als Massenware ganz billig künstlich herstellen, dann gäbe es keinen Grund Gold als Zahlungsmittel zu vertrauen.

Übertragen wir das mal auf Währungen.

Was wenn eine Währung, die bisher als sehr sicher gegolten hat, plötzlich in Unmengen künstlich in den Umlauf kommt? Z.B. indem die Notenbank plötzlich ganz viel von dem Geld herstellt, oder auf Umwegen ins System bringt.

Und genau das passiert jetzt. Doch man sieht es nicht so offensichtlich, weil das Geld nicht in Form von Geldscheinen in Unmengen in den Umlauf gebracht wird.

Geld wird heute künstlich geschaffen, indem:

  • Bürgschaften für faule Derivate übernommen werden.
  • Staaten bei sich selber Geld aufnehmen, ohne dass dahinter eine echte Wirtschaftsleistung steht.
  • Bad Banks geschaffen werden
  • Ungedecktes Geld von der EZB von der amerikanischen Notenbank (die ungedeckte Dollar druckt) geliehen wird, um die Banken mit Liquidität zu versorgen.
  • Schulden einfach erlassen werden (schon im Gespräch ist), und vergessen wird, dass dabei jemand real auf sein Geld verzichten muss. Private Rentenanlagen die in solche Staatsanleihen investiert haben, sind da z.B. betroffen.

 

Eine Währung funktioniert nur so lange, wie diese zur Wertspeicherung brauchbar ist. Genauso wie Gold auch nur so lange als Wertspeicherung gesehen wird, wie wir es nicht zu einem Billigpreis künstlich herstellen können.

Vergessen Sie nicht:
Gold ist nur etwas Wert, weil wir es als Mittel zur Wertspeicherung brauchbar halten.

Der Euro ist nur solange was wert, wie wir den Euro
als Mittel zur Wertspeicherung brauchbar halten.

Unser Problem jetzt:

  • Wir haben gute und schlechte Euros im Euro drin.
  • Wir haben gute und schlechte Garantien für den Euro im Euro drin.
  • Was taugt der Euro damit als dauerhaftes Werterhaltungsmittel?

Der Wert von Gold und Geld ist in erster Linie eine Vertrauensfrage.

Währungen sind solange etwas wert, wie die Garantie dahinter stimmt. Die Garantie hinter Gold ist z.B. die Unverfälschlichkeit, Unmanipulierbarkeit und Beständigkeit. Genauso wie das bei einer starken Währung sein sollte.

Aber wie stark ist eine Währung auf Dauer, wenn das Volk dem Fundament der Währung nicht mehr traut? Ein marodes Fundament ist z.B. die Europäische Zentralbank, die sich nicht an geltendes Recht hält, und einfach Staatsanleihen kauft. Noch ein marodes Fundament ist, wenn die Politik schweigend zuschaut. Oder wenn kein Land den Stabilitätspakt einhält.

Markus Trauernicht

Teil 1: Eine Währung retten, vom Prinzip her ein irrsinniger Gedanke.

Teil 2: Kann man eine Währung retten?

Teil 3: Eine Währung retten – ist Brasilien als Vorbild tauglich?

Teil 4: Warum es vom Prinzip her irrsinnig ist eine Währung zu retten.

Teil 5: Wie 1424 die Währung in China gerettet wurde