Finanz- & Euro Infos von Markus Trauernicht

Welche unbeabsichtigten Konsequenzen hätte ein Griechenlandaustritt?

Würde Griechenland die Drachme wieder einführen, dann würde deren Währung wohl erst mal ins Bodenlose fallen. Die Idee dabei ist, dass die eigene Währung dann entwertet wird, und man einen Zinssatz vorgeben kann, der zum eigenen Land passt. Nur was wenn die Währung dann viel dramatischer fällt als man es wollte? So sehr, dass Griechen nicht mehr ausländische Waren kaufen können, weil die dann zu teuer sind…

Dann stellt sich die Frage wie nachhaltig Griechenland mit den eigenen Problemen umgeht. Z.B. eine Menge von Beamten in Griechenland, die auf Dauer nicht finanzierbar ist. Oder eine Kultur der Steuerhinterziehung. Wenn diese Probleme nicht angepackt werden, dann wird auch eine Drachme nur eine kurzfristige Lösung sein. Denn dann taugt auch eine niedrigwertige Drachme nicht für den Werterhalt der Kaufkraft. Und das ist wirklich gefährlich und hochinflationär. In dem Fall sind die derzeitigen Griechenlandprobleme nur eine Sandkastenrunde.

  • Und dann müssen die Griechen in diesem Marktumfeld mit einer extremen weiteren Geldentwertung rechnen, wenn deren Notenbank dann z.B. vielleicht ungedeckte Drachme drucken will, um so an mehr Geld zu kommen, weil niemand sonst denen was leihen will.
  • Das Problem ist, dass bei einem Austritt deren Drachme dann so volatil sein würde, dass diese Währungsschwankungen für investierende ausländische Unternehmen ein besonders großes Risiko darstellen würde.

Natürlich gäbe es dann auch die Möglichkeit, dass die Drachme fest an den Euro zu einem bestimmten Wechselkurs gekoppelt wird. So wie der Namibianische Dollar an den südafrikanischen Rand gekoppelt ist. Nur muss dann natürlich die Wirtschaftssubstanz das rechtfertigen.

Aber was kommt dann danach? Wenn Spanien, Italien, Portugal dann auch der Meinung sind, dass die alten Währungen denen ermöglichen würden, die eigene Währung zu entwerten, um so die eigene Wirtschaft wieder anzukurbeln? Belgien und Irland sind ja weitere Kandidaten.

Dann stellt sich die Frage, ob es viel einfacher und sinnvoller wäre, jetzt den Euro aufzulösen, anstatt Scheibchenweise eine endlos lange Prozedur zu erzwingen. Denn während dieser langen Prozedur werden auch nur die Schulden der Geberstaaten erhöht. Italien hat zum Beispiel den drittgrößten Schuldenberg der Welt angehäuft – und ist dann auch noch drittgrößter Geldgeber (Finanziert über Schulden) in der EU. Wie nachhaltig ist das denn?

Jetzt stellen Sie sich mal vor, diese Länder treten nach und nach alle halbe Jahre aus. Und jedes Land führt die alte Währung wieder ein, erlebt einen massiven Kursverfall der Währung bis sich diese stabilisiert, und muss gleichzeitig die Staatsausgaben massiv senken. Und muss Gelder bekommen um sich zu finanzieren. Da wird wohl in manchem Land das Sparguthaben der Bürger zwangsweise an deren Staat geliehen werden müssen. So war es bisher jedenfalls in der Vergangenheit. Und Deutschland wird ja dann auch helfen wollen…

  • Ach ja, da stellt sich auch die Frage wie die Derivate / SWAPS auf einen Austritt Griechenlands, aus dem Euro, reagieren würden. Hier müsste die Politik dringend einen Riegel vorschieben. Und wie die Banken reagieren – da werden wohl auch noch ein paar mehr Pleite gehen…
  • Erst mal sollte es darum gehen die Wirtschaftsunion zu stärken. Der Euro steht da immer mehr im Weg. Kein Unternehmen kann auf Dauer funktionieren, wenn mehr ausgegeben wird als eingenommen wird. Das gilt im Großen wie im Kleinen. Da werden nur Schulden für die nächste Generation geschaffen.

Es ist ein fataler Fehler zu meinen, dass Europa nur funktioniert wenn man den Euro hat. Was es wirklich braucht, ist der Handlungswille der einzelnen Länder. Solidarität geht in beide Richtungen. Doch niemand war bereit den Stabilitätspakt einzuhalten. Der Zug ist abgefahren.

Das Problem für Deutschland? Die DM wäre dann eine weltweite Sicherheitswährung. Gar nicht gut für die Exporte.

Markus Trauernicht

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